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Über die theoretischen und wirtschaftlichen Grundlagen des Syndikalismus

English

Über die theoretischen und wirtschaftlichen Grundlagen des Syndikalismus (1926)1

I.

Wir verstehen unter „Syndikalismus“ die Gewerkschaftstheorie, welche die „revolutionäre direkte Aktion“ der Arbeitermassen zur Umgestaltung der ökonomischen und sozialen Bedingungen empfiehlt. Diese Theorie stellt sich in ihren Welt- und Wirtschaftsanschauungen in Gegensatz zum parlamentarischen Reformismus, der unter dem Einfluß der sozialdemokratischen Parteien die moderne Arbeiterbewegung tatsächlich beherrscht.

Wenn wir hier versuchen, die theoretischen und ökonomischen Grundlagen dieser revolutionären Bewegung aufzuzeigen, ihre Entstehung als Folge der die Arbeiter- und Proletarierkämpfe seit einem Jahrhundert beherrschenden Prinzipien zu erklären, so wollen wir nicht bei den historischen Anfängen der Bewegung oder den verschiedenen Faktoren verweilen, die ihre Entwicklung im Kampf mit den anderen Partei- und Gewerkschaftsorganisationen begünstigt haben.2

Wir werden uns hier vor allem mit der theoretischen Seite unseres Problems beschäftigen und, um dieselben zu beleuchten, vorzugsweise Beispiele und Tatsachen aus den letzten Jahren der Bewegung wählen, welche so treu wie möglich die jetzige Lage der Entwicklung abspiegeln.

Sogleich machen wir aber darauf aufmerksam, daß Kriegs- und Nachkriegszeit die syndikalistischen Probleme tatsächlich verwirrt haben, und daß es deshalb mehrmals notwendig sein wird, auf die Periode vor dem Weltkrieg zurückzugreifen, um dieselben rein und klar vor Augen zu stellen.

Wir wollen damit nicht sagen, daß die revolutionäre syndikalistische Bewegung seit dem Kriege keine Fortschritte gemacht hätte. Die Bewegung ist jung; 1913 hat in London der erste revolutionäre internationale syndikalistische Kongreß stattgefunden, aber erst seit einigen Monaten besitzt diese Bewegung sozusagen eine internationale Zentrale, „die Internationale Arbeiter-Assoziation“ (IAA), deren Sitz Berlin ist.3

Unsere Vorbehalte erklären sich von vornherein aus der Tatsache, daß der Krieg selbst und der Zustand, in den er die Arbeiterbewegung und die politischen Parteien versetzte, die Ideen verändert und die Geister desorientiert hat. Es ist der „Bolschewismus“, besonders die Propaganda der „3. Internationale“ in Moskau, die die Lage, vom Standpunkt der Prinzipien aus, vollkommen verschoben hat.

In der syndikalistischen Bewegung, die in Frankreich von der Confédération Générale du Travail Unitaire (C.G.T.U.) verkörpert wird, d. h. in der von den „bolschewistischen“ Prinzipien geleiteten Bewegung, kennen wir mehrere einflussreiche Führer, die ehemals in der syndikalistischen Bewegung nichts erniedrigender empfunden hätten als ihre Beherrschung durch eine politische Partei. Nachdem sie anerkannte Vertreter dessen gewesen waren, was man vor dem Kriege in Frankreich „sich selbst genügender Syndikalismus“ nannte, haben diese Führer buchstäblich damit geendet, „zu verbrennen, was sie angebetet und anzubeten, was sie verbrannt hatten“? Ebenso ist der englische Propagandist Tom Mann4, der wer weiß, was daran gesetzt hat, den revolutionären Syndikalismus zuerst in Australien und dann in England selbst einzuführen, jetzt in London der bedeutendste Führer des „Bolschewismus“ geworden. Und doch wird man bei unserer Erklärung der fundamentalen Prinzipien der syndikalistischen Bewegung sehen, daß die Unabhängigkeit dieser Bewegung in Beziehung auf jede politische Partei in der Grundlage ihres Daseins wurzelt.

Der revolutionäre Syndikalismus ist in der Tat in der Form einer Reaktion gegen die Entwicklung entstanden, die die internationale Arbeiterbewegung seit der Gründung der Internationale von 1864 und nach dem kurzen Kampf zwischen den „Bakunisten“ und den „Marxisten“ in ihrem Innern erlitt. Während die Minderheit der Bewegung sich in einen unbestimmten anarchistischen und individualistischen Denken verlor, das zu sehr außerhalb des wirklichen Lebens stand, geriet die Mehrzahl in den Morast des parlamentaristischen und bürokratischen Reformismus.

Ich kenne den Anfang der jungen revolutionären syndikalistischen Bewegung in all diesen Einzelheiten. Schon vor Ende des vergangenen Jahrhunderts arbeitete ich mit Männern wie Fernand Pelloutier daran, die Grundlagen dieser Bewegung zu legen. Wir hatten fast zur gleichen Zeit die Confédération Générale du Travail in Frankreich (1894) und das Nationaal Arbeits-Sekretariaat in Holland (1893) entstehen sehen. Außerdem hatten wir überall feststellen müssen, daß der Syndikalismus notwendigerweise, kraft der grundlegenden Prinzipien jeder Arbeiterbewegung und folglich kraft aller Inkonsequenzen entstehen müsse, deren sich vom Standpunkt dieser Prinzipien aus, die reformistischen Parteien schuldig machten, die die ersten Arbeitergewerkschaften beherrschten.

Einerseits nahm die Internationale von 1864 als Prinzip sine qua non an, „daß die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter selbst sein könnte“5, ein Prinzip, das zu gleicher Zeit die Tendenzen zur Autonomie der lokalen Gewerkschaften gegenüber ihrer Zentralorganisation verwirklichen und die Unabhängigkeit der nationalen und internationalen Bewegung im Hinblick auf die Politiker garantieren sollte.

Andererseits erklärte sich die grosse Mehrheit der Sozialisten, eine Mehrheit, die aus den inneren Kämpfen der alten Internationale hervorgegangen war, als Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung, gemäß den Theorien der Mitte des 19. Jahrhunderts, deren reinster Vertreter Karl Marx war. Marx selbst war der Ansicht, daß „die bestimmte Produktionsweise und die ihr jedesmal entsprechenden Produktionsverhältnisse, kurz die ökonomische Struktur der Gesellschaft die reale Basis sei, worauf sich ein juristischer und politischer Oberbau erhebe, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprächen, daß die Produktionsweise des materiellen Lebens den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt bedinge“6.

Wir brauchen diese alten materialistischen Begriffe hier nicht eingehender zu prüfen. Wenn Marx genauer Naturwissenschaften studiert hätte, hätten sich seine Theorien dann auch so eng, so einseitig zeigen können, wie sie uns heute erscheinen? (Diese Bemerkung stammt von Peter Kropotkin.) Hätte Marx in diesem Falle die menschliche Gesellschaft in ihrer der eines lebenden Organismus gleichen Entwicklung mit einer Art Bauwerk vergleichen können, auf dessen Fundamenten sich ein juristischer und politischer „Überbau“ erhebt?

Lassen wir diese alten Begriffe beiseite! Wir wollen nicht einmal über die Frage diskutieren, ob Marx, wenn er sich auf diese zu engen materialistischen Theorien gestützt hätte, die moderne parlamentarische Politik hätte rechtfertigen können, die auf die „Eroberung der Staatsmacht“, hinausläuft, eine Politik, bei der seine Schüler in Deutschland wie anderswo seit einigen Jahrzehnten angelangt sind.

Wie dem auch sei, so ist es hier von Wichtigkeit für uns, festzustellen, daß die Widersprüche zwischen der parlamentarischen Politik und den alten materialistischen Prinzipien sich notwendigerweise in der sozialistischen und syndikalistischen Presse wie bei den öffentlichen Versammlungen offenbaren mußten. In dem Maße, in dem das tägliche Leben die sozialistischen und syndikalistischen Arbeiter immer weiter auf den Weg des parlamentarischen Reformismus drängte, mußte sich auch die Reaktion gegen die Zwecklosigkeit dieser „Palliativmittel“ immer deutlicher in den Kreisen der revolutionären Arbeiter fühlbar machen. Von ihrer Seite hörte man die materialistischen Theorien des Großmeisters Marx zitieren, wenn sie die unumgängliche Notwendigkeit beweisen wollten, die kapitalistische Gesellschaft in ihren ökonomischen Grundlagen umzustürzen und dabei gern jede parlamentarische Handlung außer acht ließen.

Wir müssen bei diesem Punkt sogar darauf aufmerksam machen, dass die Kritik der revolutionären Syndikalisten heutzutage nicht bei der Aktion der Sozialdemokraten und der reformistischen Gewerkschaften Halt macht, sondern sich ebenso gegen die „Bolschewisten“ und ihren „Staatskommunismus“ wendet, der zu dem „Staatssozialismus“ oder „Staatskapitalismus“ führt, den man in Sowjetrußland sich hat bilden sehen. In ganz Mittel- und Westeuropa bemerkt man den offenbaren Gegensatz zwischen den materialistischen Begriffen dieser angeblichen „Kommunisten“7, die den Umsturz der Gesellschaft in ihren ökonomischen Grundlagen im Auge haben und der Tatsache, daß dieselben „Kommunisten“ überall die lebhafteste Aufmerksamkeit darauf verwenden und beträchtliche Summen dafür ausgeben, den Kampf in den „bürgerlichen“ Parlamenten aufrecht zu erhalten. Sicherlich trägt ihre Handlungsweise in den gesetzgebenden Körperschaften den Charakter der Opposition, aber diese Opposition gegenüber den bürgerlichen Parteien wird keineswegs angesehen, als hätte sie nur untergeordnete Bedeutung. Ganz im Gegenteil ist sie der Brennpunkt ihrer ganzen sozialen Aktion geworden.

„Ihr seid Parlamentarier wie die andern,“ sagen die Syndikalisten zu ihnen; „jeder von euch läßt sich, da er sich an die bürgerliche Regierung wendet, von dem Gedanken leiten: ‚Entferne dich, damit ich deinen Platz einnehmen kann‘.“ Und die gleichen Syndikalisten werfen den „roten“ Moskauer Gewerkschaften vor, daß zwischen ihrer internationalen Zentrale und der reformistisch-gewerkschaftlichen Zentrale in Amsterdam kein grundlegender Unterschied besteht, da beide von Politikern beeinflußt und geleitet werden.

Mit einer wahren Leidenschaft diskutieren die modernen revolutionären Syndikalisten die Tatsache, daß das Streikrecht der Arbeiter in Rußland unter dem Vorwand unterdrückt wird, der russische Staat sei „proletarisch“ geworden. Nicht ohne tiefe Bitterkeit kritisieren sie die Unterdrückung jeder Preßfreiheit, sowie jeder Versammlungs- und Koalitionsfreiheit in Rußland. „Ihr seid schlimmer als die Bourgeois!“ werfen die revolutionären Syndikalisten den Staatssyndikalisten Moskaus vor. „Eure Arbeitergewerkschaften sind keine wirklichen Gewerkschaften, weil sie nicht von der Regierung unabhängig sind.“ Unter diesem Gesichtspunkt läßt sich die moderne syndikalistische Theorie so formulieren: Gleichviel ob der Staat proletarisch oder bürgerlich ist, er hat sich nicht in die innere Organisation der Arbeitergewerkschaften einzumischen und muß alle erworbenen Rechte achten. In dieser Hinsicht verteidigen die Syndikalisten die Rechte der Arbeiter fast wie die Geistlichkeit des Mittelalters ihre Handlungsfreiheit gegen die Einmischung der Kaiser und Könige verteidigte, wenn sie auch die besten Christen sein mochten: Quid est Imperatori cum Ecclesia?8

Beachtenswert ist es auch, daß, wenn die Syndikalisten so die Autonomie der syndikalistischen Bewegung gegen jede Einmischung von Seiten des Staates verteidigen, sich als „antistaatlich“ und „antiparlamentarisch“ erklären, sie dabei jedoch ihre Einwendungen nicht nur auf die durch Staatssozialismus (Guvernementarismus) und Parlamentarismus in der Arbeiterbewegung verursachten Enttäuschungen gründen.

Sie nehmen Bezug auf die Geschichte der Menschheit und heben die Tatsache hervor, daß sich alle großen geschichtlichen Bewegungen ohne das Dazwischentreten des Staates im wirklichen Leben der Menschen entwickelt haben; daß das Christentum z.B. während der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung seinen Weg so ungefähr wie die moderne Emanzipationsbewegung der Arbeiter gemacht hat: Ohne Hilfe der herrschenden Autoritäten und meist gegen deren Willen. Ebenso sind zu unserer Zeit mächtige wissenschaftliche, künstlerische, soziale und religiöse Schöpfungen hervorgetreten und haben ihren Fortschritt vollbracht, ohne sich um weltliche oder geistliche Autoritäten zu kümmern: die Genossenschaftsbewegung, die Heilsarmee, die Theosophie, die Esperanto-Bewegung, das Rote Kreuz, die internationalen wissenschaftlichen Kongresse, die Freimaurerlogen und die Freidenkerbewegung, usw.

Das alles heißt aber nicht, daß die revolutionären Syndikalisten der Haltung des Staates gegenüber gleichgültig wären; sie sind es ebensowenig wie die anderen politisch-sozialen, sozialreligiösen oder wissenschaftlichen Gruppen, auf die wir anspielten.

Der Materialismus der modernen Syndikalisten ist nicht mehr der Zeit von Karl Marx. Wenn im Kampf der Meinungen und den Diskussionen zwischen „Materialisten“ und „Idealisten“ die letzteren dahin gekommen sind, den beträchtlichen Einfluß anzuerkennen, den die materiellen Lebensbedürfnisse auf die Entwicklung der Ideen ausüben, so haben die Materialisten ihrerseits den Rückwirkungen, die die rechtlichen, politischen, künstlerischen, intellektuellen und moralischen Faktoren auf das materielle Leben der Völker ausüben, mehr Aufmerksamkeit schenken müssen als bisher.

Die Syndikalisten erkennen also ebenso den heilsamen Einfluß, den gute Gesetze, wie den unheilvollen, den schlechte haben können. Sie erkennen diese Einflüsse sowohl für das soziale Leben im allgemeinen, als auch für die syndikalistische und die Arbeiterbewegung im besonderen an.

Aber sie halten es für ihre Pflicht, die in der gegenwärtigen Gesellschaft eingeführten schlechten Gesetze nicht im Parlament, sondern außerhalb desselben im freien sozialen Leben zu bekämpfen. Auch leihen sie gern jedem guten Gesetz ihre Hilfe, wie z. B. der internationalen Gesetzgebung betr. den Achtstundentag, aber sie tun es im täglichen Leben und durch direkte Tätigkeit in den Fabriken und Werkstätten.

Wir würden den Rahmen der vorliegenden Studie überschreiten, wenn wir alle Gründe erörtern wollten, aus denen die modernen Syndikalisten sich dazu verstehen, vor den Türen der gesetzgebenden und regierenden Körperschaften Halt zu machen, ohne zu versuchen dort einzutreten. Wir wollen nur am Ende unserer Einführung in die ideellen Beweggründe, die der Entstehung der syndikalistischen Bewegung zugrunde liegen, feststellen, daß diese Bewegung durch die Erfahrungen der Kämpfe eines halben Jahrhunderts für die Emanzipation der Arbeitermassen gestählt und besonders praktisch geworden ist.9

II.

Die Opposition der Arbeiter gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung ist so alt wie diese selbst und hat ihren Ursprung in dem Antagonismus, der zwischen dem Arbeiter und seinen Produktionsmitteln besteht, da er von den letzteren durch die technische Entwicklung der Produktion getrennt ist.

Seit dem Auftreten der Großindustrie, seit dem Augenblick, wo die ungeheure Mehrzahl der Arbeiter nicht mehr hoffen konnte, eines Tages die Stelle eines Handwerksmeisters zu erreichen, sondern sich ihr ganzes Leben lang zur Lohnarbeit verdammt sah, fingen sie an, sich zu vereinigen und in einer Industrie nach der andern ihre Organisationen zu entwickeln – zuerst in den großen Zentren, und dann in den kleineren Industriestädten und -dörfern.

Als die kapitalistischen Unternehmen sich in Aktiengesellschaften zu verwandeln begannen, waren die Arbeiter im Begriff, nationale und regionale Gewerkschaftsvereine zu bilden. Als die Arbeitgeber in zahlreichen Industrien die freie und uneingeschränkte Konkurrenz aufgaben, um allmählich ihre verschiedenen Verbindungen und Kartelle zu schließen, da legten die Arbeiter ihrerseits den Grundstein zu den Verbindungen zwischen den Organisationen der verschiedenen Industrien. Und jetzt, wo die Großkapitalisten sich über die nationalen Grenzen die Hände reichen und sich ihre Kartelle und Trusts immer mehr zu internationalen monopolistischen Koalitionen entwickeln, sind die Arbeiter in das Stadium eingetreten, das man die Zeit der Arbeiter-Internationalen nennen kann.

In den etwaigen Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit haben die Arbeiter zweifellos zu ihren Gunsten die Macht der Zahl und die Unentbehrlichkeit ihrer produktiven Arbeit; es fehlen ihnen aber noch die Erfahrung und die notwendigen technischen Kenntnisse, um selbst die Industrien zu leiten. Darin hängen sie von den Kapitalbesitzern und den tatsächlichen Leitern der Unternehmen ab. Wenn sie die Gelegenheit hätten, auf eigenes Risiko und zum eigenen Vorteil ein großes Industrie-, Handels- oder Transportunternehmen zu betreiben, so würden die Arbeitermassen und ihre Führer kaum dazu imstande sein.

Indessen bietet sich die Gelegenheit nur selten, daß ein Kapitalist sein Unternehmen an sein Personal oder an die Arbeiterorganisationen abgibt. Was die Frage der Gründung von Konkurrenzunternehmungen gegen die der vereinigten Kapitalisten betrifft, so finden sich die Arbeiter hier meistens einem fait accompli10 gegenüber, da die Plätze schon von Stärkeren und Gewandteren eingenommen sind. Tatsächlich ist es den organisierten Arbeitern ebensowenig möglich, neben den Kartellen und Trusts ein modernes Stahlwerk zu gründen, wie sie eine neue Eisenbahnlinie von Paris nach Marseille in Konkurrenz zur P.L.M. bauen könnten. Folglich müssen in den herrschenden Industrien die Siege im Klassenkampf durch jede Partei innerhalb der kapitalistischen Unternehmungen erfochten werden. Und überall, wo der Kampf von den Arbeitern gewonnen werden kann – sei es in einer heftigen revolutionären oder in der friedlichen Form des fortschreitenden Eindringens – sollten die Arbeiterorganisationen die Einzelunternehmer in ihren eigenen Unternehmungen bezwingen können.

Bei diesem Kampf innerhalb der kapitalistischen Fabriken, Werkstätten und Lager stützen sich die Unternehmer auf ihr Recht, selbst über ihr Privateigentum verfügen zu dürfen und auf die Notlage, in der sich die Nichtbesitzenden in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung befinden, ihre Arbeitskraft zu verkaufen oder in Elend zu geraten. Die Arbeiter andererseits gründen ihr Vertrauen auf den sozialen Druck, den sie dadurch auszuüben imstande sind, daß sie vorübergehend und auf gemeinsame Verabredung, ihre Arbeit aus der Produktion zurückziehen können.

Der Klassenkampf, der sich mit der industriellen Technik entwickelt, durchläuft also verschiedene Stadien: erste Scharmützel und ungeordnete Revolten zur Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder zur Abschaffung der gröbsten Mißstände; lokal und national von den Arbeitern organisierter Kampf, um die Arbeitsbedingungen in direkte Beziehung zu den Verkaufspreisen der Produkte zu setzen, sei es in unbestimmter Form oder klar und kategorisch in der Form gleitender Lohnskalen (sliding scales) oder anderer Übereinkünfte; endlich direkte Einmischung der Arbeiterorganisationen in die Leitung der kapitalistischen Unternehmungen.

In allen hier angeführten Stadien und seit seinem Erscheinen trägt der Klassenkampf schon den Charakter eines Kampfes um die Leitung der kapitalistischen Unternehmungen und um die Frage, wer die Betriebsbedingungen bestimmen soll: diejenigen, denen das Unternehmen als Eigentum gehört, oder die, welche dort arbeiten. Der Kampf kann latent sein und sich unter allerlei Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verbergen.11

In Rücksicht auf die Zukunft der Industrien beansprucht gerade das letzte Stadium des Kampfes unsere Aufmerksamkeit. Gewiß wird der revolutionärste Syndikalist in den beiden andern Stadien des Kampfes nicht untätig bleiben, selbst nicht bei dem einfachsten Kampf, der den Lohn oder die Arbeitszeit betrifft. Aber die Aktivität in dieser Richtung wird ihn nicht daran hindern, seine besten Kräfte auf die Bildung einer neuen sozialen Ordnung zu richten, wo die Produktion sich unter der direkten Leitung der Arbeitervereine vollziehen wird.

In den am demokratischsten fortgeschrittenen Ländern, vergleiche auch England, hat sich in den letzten Jahren eine Art von syndikalistischem Sozialismus entwickelt, der das Eindringen der Arbeiter in die Leitung der Fabriken, Werkstätten und Lager propagiert, in denen sie arbeiten. Dieser praktische syndikalistische Sozialismus der englischen „National Guilds“ ist augenfällig von dem ihm vorangehenden organisatorischen und revolutionären Syndikalismus beeinflusst worden.12 In England ist der sozialistische Syndikalismus bei seinem Erscheinen seit 1912 durch die Zeitschrift "New Age" propagiert worden.

Die Bewegung der National Guilds hat sich in ihrer äußeren Entwicklung, gestärkt durch die Erfahrungen des Krieges, auf verschiedene Punkte präzisiert: die Bewegung drängt darauf, dass in Zukunft Werkmeister und Aufsichtsbeamte in den Fabriken und Werkstätten von den Arbeitern ernannt und bezahlt werden und der Gewerkschaft der letzteren angehören sollen; sie sieht in dem „Werkstättenabgeordneten" (shop steward) und in dem „Ausschuss der Arbeitergewerkschaft" (trade union works committee) den Keim einer Organisation, die fähig wäre, die Aufsicht über die Produktion in der Werkstatt zu sichern; angesichts des chaotischen Zustands, der noch in den syndikalistischen Kreisen herrscht, bevorzugt sie die Schaffung von gewerkschaftlichen Vereinen nach Industrien (industrial unions), nicht nach Handwerkszweigen.

Die National Guildsmen endlich fahren fort, die „Nationalisierung der Industrien“ zu fordern; sie bemühen sich aber zugleich, „die industrielle Demokratie zu gründen, indem sie die Verwaltung in die Hände der Arbeiter legen und zu gleicher Zeit den Profit auszuschalten, indem sie das Eigentum in die Hände der Gemeinschaft legen“.13

So wenig die marxistische Sozialdemokratie den englischen Gefühlen entsprach – man sieht es noch heute an dem geringen Fortschritt, den die bolschewistische Propaganda in den englischen Arbeiterkreisen macht – so sehr hat sich die Lehre, welche die „direkte Aktion“ der Arbeiter propagiert, als verständlich für die in den Gewerkschaften organisierten Arbeiter gezeigt. Ihre Propaganda hat besonders aus den Generalstreiks von 1911 und 1913 (im Transportgewerbe und bei den Bergleuten) und aus all jenen sonstigen Fällen Vorteile gezogen, wo die Arbeiter bittere Enttäuschungen durch nicht eingehaltene Versprechungen sogar der Arbeiterpolitiker erlebten. Auch konnte man feststellen, daß die neuen Ideen in jenen Kreisen die beste Aufnahme fanden, in denen die großen Streiks von 1911-1913 erzeugt worden waren, bei den jungen organisierten Bergleuten von Wales und in den Transportgewerben: Eisenbahner, Dockarbeiter usw.

Die Eroberung der Hauptleitung der Industrien durch die Arbeiter stellt sich in den syndikalistischen Theorien in einem genaueren Sinne dar, als in den alten anarchistischen, die immer sehr unbestimmt waren, oder in den parlamentarisch-sozialistischen Lehren, die, sei es unbewußt oder nicht, zum Staatskapitalismus hinneigen, sogar in der Form, die die russischen Bolschewisten dieser Eroberung unter der Fahne der „Diktatur des Proletariats“ gegeben haben.

Die Taktik, welche die „Wegschaffung des Arbeitgebers“ ins Auge faßt, läßt keinen Zweifel mehr und ermangelt nirgends der Klarheit.

Ebenso könnte man diese Entfernung nicht mehr mit der Nationalisierung der Bergwerke, Fabriken und Werkstätten im Sinne ihrer Umwandlung in öffentliche Unternehmungen verwechseln.

Was die modernen Syndikalisten zu verwirklichen streben, ist, was man die „industrielle Demokratie“ genannt hat.

In den Klassenkampftheorien, so wie sie sie verstehen, handelt es sich nicht mehr nur um die fortwährende Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die auf die Verbesserung der Lohnarbeit hinzielen, die immer vorgeschoben wird; im Gegenteil geht es um den Angriff auf den Unternehmerprofit, die Eroberung der Fabriken und der Werkstätten, und sei es auf Kosten einer augenblicklichen Verminderung der Gewinne.

Die so verstandene Eroberung der Industrien durch die Arbeiter vollzieht sich nicht von einem Tag auf den andern, so energisch auch die Propaganda von Seiten der Arbeiter sein möge. Die Förderer der neuen Lehre machen sich in dieser Hinsicht keine Illusionen.

Wir müssen indessen darauf hinweisen, daß in den letzten Monaten vor dem Kriege und sogar während des Krieges die englischen Arbeiter einige praktische Siege zu verzeichnen hatten: Verschiedene große Häuser haben den unaufhörlichen offenen Kämpfen das Einverständnis mit ihrem Personal nach dem Grundsatz der Teilnahme der Angestellten an der Geschäftsleitung vorgezogen. Diese praktischen Siege haben mehr zur Entwicklung der modernen Lehren beigetragen, als es mehrere Jahre theoretischer Propaganda zu tun vermocht hätten. Die fortgeschrittensten Arbeiter sind des industriellen Feudalismus müde.14

Andererseits sind dadurch, daß die Kriegsereignisse die Bevölkerung an eine allgemeine Überwachung der Industrie gewöhnt haben, die vorher unbekannt war, die Ideen der Nationalisierung der großen Unternehmen und zugleich der Teilnahme der Arbeiter an ihrer Leitung überall verstärkt hervorgetreten und haben in der öffentlichen Meinung ihren Weg gebahnt. In England hat sich der Fortschritt, den diese Ideen gemacht haben, sogar in den offiziellen Berichten gezeigt.15

In der englischen Steinkohlenindustrie, die wir als typisches Beispiel nehmen, hatte Mitte März eine offizielle Kommission ihre Aufgabe erfüllt, sich über die ökonomische Lage und die Arbeiterkämpfe, die ausgebrochen waren, zu unterrichten. Verschiedene der von der Kohlenzeichenkommission gehörten Zeugen hatten solche Enthüllungen über die von den Besitzern mitten im Kriege erzielten Gewinne gemacht, daß sie wahrhaften Zorn im Lande erregten und der Arbeitersache mächtige Hilfe leisteten.16 Die öffentliche Meinung fand ihr Echo im offiziellen Bericht (dem Sankey-Report), der so weit ging, das bestehende Besitz- und Exploitationssystem kategorisch zu verurteilen.17

Die Bewegung zugunsten der Zuziehung der Arbeiter zur Leitung der Unternehmungen, in denen sie arbeiten, wird merklich unterstützt durch die Umwandlung großer kapitalistischer Unternehmungen in Aktiengesellschaften, bei denen die wirklichen Eigentümer ihre Unternehmen kaum mehr selbst leiten.

Wir wissen, wie wenig der kleine, isolierte Aktionär sich in Wirklichkeit noch im Besitz der Bergwerke, Fabriken, Werkstätten oder Lager befindet, zu deren „Eigentümern“ er gehört und wie oft die kapitalistischen Unternehmungen, während sie ihren zahlreichen Eigentümern einen gewissen Zins für das geliehene Geld gewähren, an erster Stelle zugunsten der Mitglieder des Aufsichtsrats oder der Banken arbeiten, die sie mit Geld ausgestattet haben.

Da die direkten Interessen der kleinen Aktionäre so offensichtlich in zahlreichen industriellen und Handelsunternehmungen geopfert werden, erklärt sich die Sympathie, die in den letzten Jahren die Vertreter der Arbeiterorganisationen gefunden haben, die, nachdem sie in verschiedenen dieser Gesellschaften Aktien erworben hatten, in deren Generalversammlungen erschienen, um dort Kritik an den Verwaltungsbeamten und Direktoren zu üben. Da sie vor allem die Frage des Arbeitslohns behandelten, bemühten sie sich gleichzeitig alle Probleme vom Standpunkt des in seinen Interessen verletzten Aktionärs zu erörtern. Das ist mit einem Wort die gleiche Politik des friedlichen Eindringens in die kapitalistischen Unternehmungen, von der oben schon einmal die Rede war.

Diese Politik des Eindringens steht erst am Beginn ihrer Anwendung; aber sie kann in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen.18

Vom theoretischen Standpunkt aus gesehen, ist die Propaganda zugunsten dieser Politik am weitesten in Deutschland fortgeschritten, wo die gewerkschaftliche Presse schon einige Jahre vor dem Kriege angefangen hat, die Notwendigkeit eines gemeinsamen, methodischen Vorgehens der verschiedenen gewerkschaftlichen Vereine zu erörtern.19

Wenn man die Tendenzen zur „Demokratisierung“ der Industrien und zum Eingreifen der Arbeiterorganisationen in die technische Leitung der Unternehmen in all ihren Erscheinungsformen erforscht, so bemerkt man, daß es sich um wirklich internationale Bestrebungen handelt, die sich nach dem besonderen Charakter der Arbeiterbevölkerung richten.

Welche Meinung man auch von der praktischen Lösung des in Frage stehenden Problems haben mag, man kann nicht ableugnen, daß das Eindringen von Arbeitervertretern in die Generalversammlungen der Aktiengesellschaften einen sozialen Fortschritt darstellt, der die wachsende Macht der modernen Arbeiterbewegung hell beleuchtet.

Damit es aber so sein kann, muß die Politik des friedlichen Eindringens, von der hier die Rede ist, von den Arbeitern als Waffe im Klassenkampf angewandt werden. Man darf diese Politik nicht mit dem Vorgehen einzelner kapitalistischer Unternehmen vermischen, die ihrem Personal Aktien ihres Unternehmens gewähren, wie andere Prämien verteilen oder das Personal am Gewinn beteiligen, um ihm ihr Wohlwollen zu zeigen und es an ihre Unternehmen zu fesseln.

Wenn sie zu dem letzteren Zweck angewandt werden, so müssen die verschiedenen Prämien-, Gratifikations-, Gewinnbeteiligungs- und Teilhaberschaftssysteme am Unternehmen als Geste den Lohnarbeitern gegenüber betrachtet werden, die nicht bestimmt und nicht geeignet sind, die organisierten Arbeiter wirklich für die Leitung der Unternehmen vorzubereiten.

Ein klassisch gewordenes Beispiel: Der von der amerikanischen Regierung angegriffene Stahltrust hat sich 1912 durch eine Schrift verteidigt, in der festgestellt wird, daß unter den eingeschriebenen Besitzern des Gesellschaftskapitals des Trusts sich „mehr als 22000 seiner Angestellten befänden“ und daß „8000 andere Angestellte[n]“ außerdem Zeichner von Aktien seien. Indessen war in dieser Zeit nirgends in der amerikanischen Industrie die Bedrückung der Arbeiter unter der Herrschaft des Kapitals strenger und kategorischer als in den Fabriken und Werkstätten der mächtigen Steel Corporation.

Die Enquête, die 1912 von der parlamentarischen Kommission, deren Präsident Mr. A. O. Stanley von Kentucky war, über die Gründung, die geschichtliche Entwicklung und die innere Organisation der U. S. Steel Corporation gemacht wurde, hat die erstaunte Welt davon unterrichtet, daß die amerikanische Eisen- und Stahlindustrie sich durch außerordentlich lange Arbeitstage und verhältnismäßig niedrige Löhne

(im Vergleich zu den hohen Lebenshaltungskosten der Vereinigten Staaten) charakterisiert. Diese Enquête hat gezeigt, daß dies besonders für die große Kategorie der nicht qualifizierten Arbeiter zutraf, deren Zahl sich, vor allem seit 1895 (infolge der Einführung einer ungeheuren Menge von Maschinen) vermehrt hatte, und die sich in der überwiegenden Mehrzahl aus den Eingewanderten der vier Weltteile rekrutiert.20

Vom Standpunkt des Befreiungskampfes der Arbeiterklasse könnte das Einschreiten des Staates zugunsten der Teilhaberschaft der Arbeiter am Profit der Unternehmungen, in denen sie arbeiten, kaum mehr Bedeutung haben, als die „Geschenke“ der Arbeitgeber.

Anders ist es mit ihrer Teilnahme an der Verwaltung der Unternehmen. Hier könnte der Staat energisch einschreiten, aber – und hier sehen wir wieder die revolutionären syndikalistischen Thesen – in der kapitalistischen Gesellschaft kann man nichts anderes vom Staat erwarten, als daß er sich als Werkzeug der öffentlichen Regierung zeigt, dessen sich die herrschenden Klassen in ihrem eigenen Interesse bedienen. Bis jetzt sind die gesetzgeberischen Maßnahmen zugunsten dessen, was man „Arbeiteraufsicht“ in den großindustriellen Unternehmungen nennt, immer auf halbem Wege stehen geblieben.21

Der Klassenkampf entwickelt und verwandelt sich unter dem Einfluß der heutigen Verschiebung des Gleichgewichts der Kräfte, aber Protektionismus und Philanthropie spielen bei seiner Erscheinung immer nur eine untergeordnete und wenig bedeutende Rolle.

Jedoch können die beiden Bestrebungen des friedlichen Eindringens, von denen hier die Rede war, ein wenig zur Demokratisierung des industriellen Besitzes beitragen und von diesem Gesichtspunkt aus sind sie interessant.

Von dem gleichen Standpunkt aus muß man alle die Versuche des Zusammenwirkens der Klassen bei der gesellschaftlichen Produktion beurteilen, wie z. B. die Gemeinwirtschaftlichen Anstalten, die nach dem Krieg in Österreich unter dem Einfluß der sozialdemokratischen Partei gegründet wurden.

Man findet unter den Mitgliedern der Generalversammlungen dieser Unternehmen zugleich Vertreter der österreichischen Regierung, der Arbeiterorganisationen, der Angestellten und der Kunden, – letztere werden vertreten durch die Großlager der Konsumgenossenschaften.22

Alle diese Versuche des Zusammenwirkens der Klassen und des friedlichen Eindringens der Arbeiter in die Produktion reichen nicht aus, um die Bestrebungen der modernen revolutionären Syndikalisten zu befriedigen. Nicht nur scheint es ihnen, daß das Werk der Befreiung der Arbeiter zu langsam fortschreitet; im Gegenteil, wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß die vorsichtigsten unter ihnen gern zugeben, daß die Arbeiter der heutigen Zeit nicht plötzlich und vollständig die Gesamtleitung aller Industrien in die Hand nehmen können. Aber die revolutionären Syndikalisten behaupten, daß bei der heutigen Gesellschaftsordnung die Versuche der Zusammenarbeit der Klassen und des friedlichen Eindringens der Arbeiter in die Produktion immer wieder gelähmt sein und von der Gnade einiger großer Unternehmer und der Hochfinanz abhängen werden.

Um zum Endziel zu kommen, ist es zuerst notwendig, sagen sie, daß die soziale Revolution „reinen Tisch“ mit den jahrhundertealten Eigentumsinstitutionen macht. Ganz so haben vor der großen russischen Revolution vom Februar 1917 die russischen Revolutionäre der verschiedenen Schattierungen versichert, daß jeder Versuch, Reformen in ihrem Land einzuführen, dem Untergang geweiht sei, bevor nicht die alte, schon zu stark verfaulte Regierung gestürzt sei.

Nach den Vorstellungen der Syndikalisten ist der kapitalistische Feudalismus dazu bestimmt, in den Ländern alter Zivilisation zu zerbrechen und sich allmählich, aber nicht ohne ungeheure Erschütterungen, in eine industrielle Demokratie zu verwandeln. Die kühnsten Einzelunternehmer, die nicht unter den gleichen sozialen Bedingungen im Solde der Arbeit stehen wollen, wie die Arbeit ehemals im Solde der Kapitalisten stand, werden immer noch die Möglichkeit finden, die Initiative zu ergreifen und die große Verantwortlichkeit und das schwere Risiko der Organisation neuer Industrien und des sozialen Lebens weniger zivilisierter Länder auf sich zu nehmen.

Es ist unbestreitbar, daß das Vorhandensein einer Sozialtheorie, die sich so auf die Notwendigkeit einer großen Umwandlung der ökonomischen Bedingungen unserer Gesellschaft gründet, und annimmt, daß alle Teilversuche, die Lohnarbeiter auf ihre zukünftige Aufgabe vorzubereiten, daran untergeordnet bleiben sollen, eine große Bedeutung erlangen. Was auch immer geschehen mag, sie wird einen gewaltigen Druck auf alle großen historischen Ereignisse in der Zeit der sozialen und politischen Kämpfe ausüben, die nach dem Weltkrieg in unsren Ländern alter Zivilisation angebrochen ist.